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Neue urbane Identität

 

Neulich habe ich mir ein kürzlich errichtetes Büro- und Einkaufsobjekt angesehen. Eigentlich wollte ich mit meiner Frau einen Einkaufsbummel machen. Statt eine gute Auswahl an Geschäften in nettem Ambiente fanden wir fast gähnende Leere vor. Nur jedes dritte Ladengeschäft war bestenfalls vermietet. Die Plätze im Innenhof verweist und öde. Nur in den oberen Etagen traf man häufiger vermietete Büroräume an. Moderne Kunststofffassaden mit viel Glas, komplett zugepflasterte Bewegungsflächen im Hof mit ein paar Sitzgelegenheiten auf denen niemand Platz nahm. Nur hie und da, eng eingefasste Pflanzentröge. Etwas gespenstisches hatte es fast. Kahl und kalt, der Gesamteindruck. Es war zu befürchten, dass jedes gesprochene Wort von den Wänden widerhallen musste. Und dies alles in einer attraktiven Wohn- und Geschäftgegend in einer gewachsenen Altstadt­be­bauung.

 

Wurde am tatsächlichen Bedarf vorbeigeplant? Ich denke mal nicht. Vergleichbares war erst Kilometer weit entfernt wieder anzutreffen. Auf den Straßen um das Einkaufszentrum herum fand man zwar nicht gerade dichtes Gedränge, aber munteres Treiben. Es war offensichtlich, dass das neu errichtete Objekt ein Fremdkörper war, der nicht angenommen wurde. Woran fehlte es denn?

 

Klarheit der Nutzung? Undefinierte, kalt gestaltete Außenräume, bezeichnet als „flexible Leere“. Ein Mittel gegen Abwanderung zu zentralen Einkaufszentren? Für die Flüchtende eher ein Grund mehr dazu. Zu dichte Bebauung? Nicht viel dichter als anderswo.

 

Gut gemeint, nicht gut gemacht. Leider herrscht bei Investoren oftmals immer noch die Meinung vor, dass das Schaffen möglichst vieler vermietbarer Flächen die Rentabilität einer Immobilie steigere. Die Gesamtattraktivität wir dabei außer acht gelassen. Diesem Irrtum wird in der Praxis eine klare Absage erteilt. Gesehen wurde wohl nur der m² Vermietungs­fläche, den Allgemeinflächen hingegen wird selten die notwendige Aufmerksamkeit und die finanziellen Mitteln zuteil.

 

Bei dem heutigen Überangebot an Gewerbe- wie auch Wohnraumflächen wird letzten Endes nur der Investor auf seine Kosten kommen, der sich vorausschauend orientiert. Kalte und verwaiste Höfe schaffen keine Wohlfühl-Atmosphäre, laden weder zum verweilen ein, noch steigern sie die Miet-, Kauf- oder Geschäftsabschlusslust potentieller Kunden. Sie wirken primitiv und auf niedrigem Niveau. Und wie es im Business eben so ist, nur vorhandene, bzw. unterstellte Potenz zieht Potenz hinterher. Hierfür könnten unzählige Beispiele, verschiedener in Deutschland errichteter Anlagen, aufgereiht werden - im positiven wie negativen Sinne.

 

Man braucht sich nicht zu wundern. Bei allen Projekten haben wir es letzten Endes immer noch mit Menschen und deren Bedürfnissen zu tun und nicht nur mit mathematischen Aufgabenstellungen. Die Bedürfnisse wiederum richten sich nach der Mode, dem Erschwinglichen und dem gerade zur Verfügung stehenden Marktsegment. Weise handelt, wer sich daher nicht auf Althergebrachtes verlässt, sondern zukunftsorientiert plant und sich dem stetigen Wandel stellt. Eingehende Analyse aller Einfluss­größen und deren erfahrene Umsetzung sind ziel­orientier­tes Handeln, nicht stupides Rechnen und Zeichnen.